Ab 4. Mai 2020 hat das Kunstgewerbemuseum wieder regulär von 10 bis 18 Uhr geöffnet.
Innenarchitektin, Textildesignerin, Möbeldesignerin, Wandmalerin

Ruth Hildegard Geyer - Raack

 * 16. Juni 1894 in Nordhausen im Harz
† 19. März 1975 in Westberlin
Geb. Hildegard Raack, verh. Geyer-Raack, auch Geyer-Raak

Ruth Hildegard Geyer-Raack

Ruth Hildegard Raack, später verh. Geyer-Raack, stammte aus einer Pastorenfamilie und wuchs in Nordhausen auf. 1913 zog die Familie nach Berlin, wo der Vater Richard Raack eine Stelle als Superintendent in Schöneberg antrat.

Geyer-Raack studierte Malerei an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin, der Unterrichtsanstalt des dortigen Kunstgewerbemuseums, bei Scherz und Strüwe. Die Leitung der Schule hatte Bruno Paul, mit welchem sie später auch beruflich zusammen arbeitete. 1920 und 1921 nahm sie an Sommerkursen des Bauhaus Weimar teil, doch sind ihre Entwürfe für Interieurs aus dieser Zeit gleichzeitig vom französischen Art Déco geprägt. In den 1920er und 1930er Jahren hielt sie sich zu Studienzwecken mehrfach in Paris auf. Dort machte sie Bekanntschaft mit dem ungarischen Künstler André Szivessy, mit dem sie in der Folgezeit viel zusammenarbeitete und seine Möbelentwürfe um Wandmalereien bereicherte. Sie gestaltete in den folgenden Jahrzehnten erfolgreich viele weitere Wandmalereien für Landhäuser, öffentliche Gebäude und Passagierschiffe (Zusammenarbeit u.a. mit Bruno Paul) mit zauberhaften Andeutungen floraler und märchenhafter sowie abstrakt-geometrischer Motive, auch als harmonische Ergänzung  zu ihren eigenen filigranen und geometrisch geschwungenen Interieurs.

Seit 1922 mit dem Berliner Regierungsrat Hugo Geyer verheiratet, unterhielt sie seit 1924 ein eigenes Atelier in Berlin und wurde 1925 als Mitglied im Deutschen Werkbund geführt.

Geyer-Raack entwarf in den 1920er-Jahren Textilien und Tapeten für die Dewetex und Schleiflackmöbel für die Deutschen Werkstätten. 1926 war sie gemeinsam mit Bruno Paul an der Umgestaltung des Richmodishauses der Deutschen Werkstätten in Köln beteiligt. Daneben entwarf sie auch Textilien und Tapeten für die Firmen VWtex, Pausa, die H. Strauven , Rasch, Zimmer & Rohde sowie für die Bayrischen Textilwerke Bernhard Nepker in Tutzing. In ihren farbenfrohen dynamischen Entwürfen sind florale Formen ebenso vertreten wie geometrische Motive mit einem stetigen Wechsel zwischen figürlich und abstrakt.

1931 übernahm sie die künstlerische Gesamtleitung der Internationalen Raumausstellung (IRA), veranstaltet vom Möbelhaus Schürmann Köln, und war in diesem Jahr selbst mit einem Wohn- und Schlafraum der Dame inklusive Wandmalereien vertreten. Sie blieb auch in den 1930er Jahren als Innenarchitektin tätig. Nach 1945 entwarf sie weiter in einem eleganten, schlanken Stil, der zwischen der Tradition des Bauhaus und des Art Déco oszillierte.

1955 erkrankte sie an einem schweren Augenleiden, die zur Erblindung eines Auges führte, was sie nicht daran hinderte weiter als Designerin tätig zu sein.

Mit ihrem Mann hatte Geyer-Raack zwei Kinder und lebte bis zu ihrem Tod in Berlin.

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