Gestalterin für Kunstgewerbe, Modegestalterin, Illustratorin

Marie von Geldern - Egmond

* 4. Februar 1875 in Ansbach

† 8. April 1970 in München
 Geb. Antonia Feodora Marie Gräfin von Geldern-Egmond, auch Egmont,verh. Mezger, auch Mezger-Geldern

Marie von Geldern-Egmond

Marie von Geldern-Egmond stammt aus einem Grafengeschlecht mit einer langen Familiengeschichte. Ihre Eltern waren der Königlich bayerischer Oberstleutnant Eugen Otto Ludwig Gottfried Graf von Geldern-Egmond (1849–1912) und Luise von Geldern-Egmond, geb. Luz (1846–1938).  Sie hatte zwei Schwestern, Bertha Mathilde Erika Elsa von Geldern-Egmond (geb. 1878) sowie eine Zwillingsschwester namens Mathilde Elisabeth Luise Henriette von Geldern-Egmond (1875–1954), die als Malerin auftrat.

Sie studierte erst an der Damen-Akademie des Münchner Künstlerinnen-Vereins bei Max Dasio und vervollständigte ihre Ausbildung anschließend im Atelier von Paul Schultze-Naumburg in Berlin, wo sie ihr Interessengebiet von Textilien über Reformmode bis zu Möbeln ausdehnte. Im Jahr 1902 wird sie als Modedesignerin für das Berliner Gerson, wie erstmals als Mitarbeiterin der Deutschen Werkstätten genannt. Für letztere entwarf sie vor allem Möbel und Haushaltstextilien. Sie ist somit einer der ersten Möbeldesignerinnen der Deutschen Werkstätten.

Zwischen 1908 und 1910 hielt sich von Geldern-Egmond in St. Cloud bei Paris auf und arbeitete in ihrer Wohnung für verschiedene Auftraggeber in Deutschland, wie beispielsweise für den Architekten Paul Würzler-Klopsch in Leipzig und die Firma Renner, die gemeinsam mit Karl Schmidt künstlerisch gestaltete Reformkleider über das Dresdner Modehaus sowie einem Ausstellungsraum in Hellerau vertrieben. Ein erneuter Kontakt zu den Deutschen Werkstätten ist über ihre Entwürfe für das Maschinenmöbel-Programm, Das Deutsche Hausgerät, 1912 nachgewiesen.

1910 betätigte sie sich kurzzeitig als Entwerferin für Kindertapeten, die vom Berliner Verlag Hollerbaum & Schmidt umgesetzt wurden. Nach ihrem Aufenthalt in Paris war Mezger-Geldern kurze Zeit in Dresden-Hellerau wohnhaft, bevor sie 1913 nach München umzog.

In dieser Zeit widmete sie sich dem Entwurf von Möbeln, Frauenkleidung und Stickereien. Ihre Entwürfe zeichnen sich durch eine reduzierte, geradlinige Formsprache aus, die ihren Stil kompromisslos modern erscheinen lassen. Die Möbelentwürfe aus ihrer Hand weisen einen auffälligen Hang zur Symmetrie auf.
Von Geldern-Egmond war Mitglied im Deutschen Werkbund und Bund Niederdeutscher Künstlerinnen. Bemerkenswert häufig wurden ihre Arbeiten in zeitgenössischen Kunstzeitschriften von 1900 bis 1915 gezeigt und besprochen. In dieser Zeit war von Geldern-Egmond ebenfalls bei Ausstellungen für kunstgewerbliche Artikel präsent.

Das Leben und die Schaffensperioden von Geldern-Egmond standen in Zusammenhang mit privaten Verhältnissen. Ihre erste Ehe 1904 bis 1918 mit dem Kaufmann Max Mezger war geprägt von einem häufigen Wechsel des Lebensmittelpunktes und ausgedehnten Reisen. Ihre gemeinsame Tochter wurde 1905 in Madagaskar geboren. In den 14 Ehejahren trug sie den Doppelnamen Mezger-Geldern, nach der Scheidung nahm sie wieder ihren Mädchennamen an. Sie erhielt das Sorgerecht für ihre Tochter, nicht aber das Recht der gesetzlichen Vertretung.

Ihr 1916 angemeldetes Gewerbe wurde 1921 abgemeldet – aller Wahrscheinlichkeit nach, weil sie ein Jahr zuvor den Plakatkünstler Karl Maria Stadler geheiratet hatte, von dem sie sich jedoch 1928 wieder trennte. Im Jahr der Scheidung meldete von Geldern-Egmond erneut ein Gewerbe für die Herstellung von kunstgewerblichen Arbeiten und Modeartikeln an.

Über ihr Leben und Schaffen in den Jahren nach ihrer zweiten Scheidung ist derzeit nichts bekannt.

Ab 4. Mai 2020 hat das Kunstgewerbemuseum wieder regulär von 10 bis 18 Uhr geöffnet.
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