Ab 4. Mai 2020 hat das Kunstgewerbemuseum wieder regulär von 10 bis 18 Uhr geöffnet.
Kunstgewerblerin, Unternehmerin

Margarethe von Brauchitsch (auch Margarete)

Margarethe von Brauchitsch
* 14. Juni 1865 in Frankenthal auf Rügen
† 15. Februar 1957 in München
Geb. Margaretha Wilhelmina
Caroline Julie von Boltenstern, verh.von Brauchitsch, auch Margarete

bio

Margarethe war eines von insgesamt 10 Kindern des Rittergutsbesitzers Frederik Vilhelm Gustav von Boltenstern (1823-1885) und seiner Ehefrau Anna Charlotte Luise, geb. Baerenfels-Warnow (1834-1901).

Ihre künstlerische Ausbildung begann von Boltenstern, verh. von Brauchitsch nach ihrer Eheschließung und der Geburt ihres Sohnes 1890 bis 1895 bei Max Klinger in Leipzig. Anschließend übernahm sie die Leitung einer Malschule in Halle, wo sie sich auch der dekorativen Stickerei zuwandte und die ersten Entwürfe für Applikationsstickereien fertigte. Ab den späten 1890er Jahren arbeitete sie mit unterschiedlichen Materialien und entwarf Kunstverglasungen ebenso wie Notenständer, Fliesen und Wandteppiche, Tapeten, aber auch ganze Zimmereinrichtungen. Sie gewann Anerkennung für ihre Entwürfe durch die Prämierung bei Ausschreibungen der renommierten Zeitschrift Deutsche Kunst und Dekoration und nahm ab 1898 regelmäßig an Ausstellungen teil. 1900 war sie mit Kunststickereien auf der Weltausstellung in Paris vertreten. Nach ihrer Übersiedelung nach München im gleichen Jahr übernahm sie die Leitung des Damenateliers für ornamentales Entwerfen der Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk, dessen Gründungsmitglied sie war. Ab 1901 leitete sie ein Atelier für Damenschneiderei. In der Folgezeit konzentrierte sie sich auf Textilarbeiten und entwickelte besonders in der Maschinenstickerei innovative Entwürfe. Bald machte sie sich selbständig und führte einen Betrieb mit bis zu 16 Mitarbeiterinnen. Sie setzte ihre 1901 begonnene Zusammenarbeit mit den Deutschen Werkstätten fort und fertigte zahlreiche Stickereien, zumeist als Auftragsarbeiten.

Margarete von Brauchitsch war von 1888 bis 1898 mit dem Architekturfotografen Ernst von Brauchitsch (1857-1932) verheiratet und lebte bis zu ihrem Umzug nach München in Halle. Im Mai 1889 wurde ihr Sohn Johannes geboren. Auch nach der Scheidung behielt sie den Namen ihres Mannes.

Von Brauchitsch war Mitglied des deutschen Werkbundes und dort im Fachausschuss für Textil- und Bekleidungsgewerbe. Hier lernte sie Carl Emmerich, den Leiter der Weberei Waldkirchen/Zschopenthal und späteren Mitbegründer der Dewetex kennen. Außerdem war sie im Münchner Verein für angewandte Kunst und dem Verein für Fraueninteressen engagiert.

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges beendete ihr florierendes Geschäft als Unternehmerin. Sie konnte auch in späteren Jahren nicht daran anknüpfen. Sie ging als Hausdame nach Schloss Weißenstein/Osttirol in die Familie des Gründers der Münchner Rückversicherungsgesellschaft Carl von Thieme und seiner Frau Else. Nach Aussage des Sohnes Kay Thieme musste Margarethe von Brauchitsch auf Grund ihrer nationalsozialistischen Sympathien ihre Stelle 1942 aufgeben. Mit 77 Jahren ging sie zurück München wo sie 15 Jahre später verstarb.

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