Kaiserzimmer im Bergpalais von Schloss Pillnitz, 25.08.2020
© SKD, Foto: Klemens Renner

Wiedereröffnung der Kaiserzimmer

Die Kaiserzimmer sind nach umfangreicher Restaurierung wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Die einzigartigen frühklassizistischen Räume, die vielen Besucher*innen noch als Weinlig-Zimmer bekannt sind, befinden sich im Westflügel des Bergpalais von Schloss Pillnitz und sind nun wieder Teil der Dauerausstellung des Kunstgewerbemuseums.

  • Laufzeit 28.08.2020—01.11.2020
  • Öffnungszeiten täglich 10—18 Uhr, Montag geschlossen
  • Eintrittspreise regulär 8 €, ermäßigt 6 €, unter 17 frei, ab 10 Pers. 7 €

Monarchentreffen

Drei Tage, die namensprägend wirkten: Seit im August 1791 Kaiser Leopold II. (1747-1792) anlässlich des Pillnitzer Monarchentreffens das Appartement im Hochparterre des Westflügels im Bergpalais bewohnte, trug die Raumflucht den Namen Kaiserzimmer. Erst mit der Eröffnung der Dauerausstellung des Kunstgewerbemuseums 1971 wurden die Räume in Weinlig-Zimmer umbenannt. Eine Referenz an den Architekten Christian Traugott Weinlig (1739-1799), dem der Entwurf der prächtigen Innenraumausstattung zugeschrieben wird, die heute das einzige weitgehend im Original erhaltene Beispiel frühklassizistischer Dekoration im Umkreis des Dresdner Hofes darstellt.

Die nun durch die Rückführung der Raumfassung und der originalen Objekte erreichte Annäherung an den Zustand von 1791 macht die Rückbesinnung auf die historische Bezeichnung Kaiserzimmer zur logischen Konsequenz.

© SKD, Foto: Hans-Peter Klut
Johann Heinrich Schmidt, Die Monarchenzusammenkunft in Pillnitz am 25. August 1791 (Detail) Öl auf Leinwand; 134 x 220 cm, Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

SIB

Entsprechend ihrer Bedeutung wurden die Räume in den vergangenen drei Jahren durch den Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) aufwendig restauriert. Die originalen Schnitz- und Stuckaturarbeiten sowie Malereien wurden sorgfältig gereinigt, fehlende Teile ergänzt und farblich veränderte Altrestaurierungen wurden neu eingestimmt.

Impressionen

Originale

Es wurde jedoch nicht nur rekonstruiert, es war auch möglich, original zugehörige Ausstattungselemente wieder in die Räume einzubringen. Anhand der im Archiv des sächsischen Landesamtes für Denkmalpflege erhaltenen Entwurfszeichnungen konnten bereits in den 1980er-Jahren drei originale Wandtische im Bestand des Kunstgewerbemuseums identifiziert werden. Nach sorgfältiger Restaurierung kehren sie nun wieder an ihren ursprünglichen Platz an den Fensterpfeilern zurück.

Historische Aufnahme

© Landesamt für Denkmalpflege Sachsen (Bildsammlung Neg.-Nr. 26/208)
Kaiserzimmer, historische Ansicht des Zimmers mit gelber Wandvertäfelung aus den 1920er-Jahren

Leuchter

Als einziges Objekt ohne historischen Raum-, aber mit einem umso stärkeren stilistischen Bezug zu den Dekoren Weinligs wird in diesem Herbst eine Neuerwerbung präsentiert, die das Kunstgewerbemuseum mit Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung umsetzen konnte: ein frühklassizistischer Kronleuchter in Form eines Eis. Der Kronleuchter ist durch eine ausführliche Besprechung mit dazugehöriger Bildtafel in der Märzausgabe des Jahres 1800 des Journals des Luxus und der Moden als Produkt der Chursächsischen Spiegelfabrik nachgewiesen. Sowohl gestalterisch als auch technisch ist das Stück von herausragender Qualität. Seine unkonventionelle Korb- oder Eiform ist auch für die Zeit des Frühklassizismus eine große Besonderheit. Das Zusammenspiel des aus vergoldeter Bronze gearbeiteten Gestells mit dem variantenreich ausgeformten böhmischen Glasbehang ist superb und zeugt vom hohen Niveau des sächsischen Kunsthandwerks der Zeit. Insbesondere die Chursächsische Spiegelfabrik war um 1800 eine der führenden mitteleuropäischen Manufakturen für messingmontierte Glaswaren und Leuchter.

Leuchter

Gestaltung um 1800 ab 2021

Über die Winterschließzeit wird eine sensibel auf die historischen Interieurs abgestimmte neue museale Objektpräsentation in die Räume einziehen. Die neue Dauerausstellung „Gestaltung um 1800“ wird ab dem 1. Mai 2021 zu sehen sein und herausragende Stücke klassizistischer Gestaltung zeigen.

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